Vergessene Ikonen der 20er Jahre

Das Hilton Vienna Plaza in Wien mit seinem Restaurant Emile im Stil der 20er Jahre hat mich dazu inspiriert einen Beitrag zu den Stars der Golden Twenties zu schreiben.

Nachdem meine Tochter am 8. September 2018 eine 20er Jahre Party im Hilton Vienna Plaza veranstaltet – alle Infos dazu findet ihr hier – habe auch ich mich intensiv mit dieser Zeitepoche und ihren Künstlern beschäftigt. Dabei bin ich auf ein paar Persönlichkeiten gestoßen, die schon lange in Vergessenheit geraten zu sein scheinen – und das, obwohl sie Kunst und Kultur bis heute prägen.

Ich jedenfalls bin selbst begeistert von den verrückten 20er Jahren, vor allem von der Mode und allem, was dazu gehört. Um in das Gefühl von damals einzutauchen, habe ich auch gleich ein paar Fotos von mir in einem luxuriösen Charleston Kleid vom Berliner Luxus Label Tilda Knopf gemacht.


Vorbilder für mein Shooting habe ich im BuchIkonen des 20. Jahrhunderts“ von Barbara Caddy, das ich zur Recherche für meinen Beitrag herangezogen habe, gefunden. Darin habe ich mir ein paar namhafte Personen herausgesucht, die vor allem in den 20er Jahren die Zeit auf unverwechselbare Weise verändert haben. Folgende Ikonen der 20er Jahre habe ich dabei gefunden:

MUSIK

Louis Armstrong, 1901 bis 1974

Sein Unabhängigkeitstrieb trieb ihn bereits in jungen Jahren durch die Armenviertel in seiner Heimatstadt. Hier entstand in den 20ern eine neue Musikform, der Jazz. Als er bei einer Plattenaufnahme versehentlich das Textblatt fallen ließ und improvisieren musste, gab er einen völlig unsinnigen Text von sich. Silben, die in Hochgeschwindigkeit wiederholt wurden und sich gegenseitig zu überholen schienen. Das war die Geburtsstunde des für den Jazz so typischen Scat-Gesang. Armstrong war viele Jahre der unbestrittene Meister des amerikanischen Jazz und dominierte die Welt der Jazzmusik.

TANZ

Fred Astaire, 1899 bis 1987

Fred Astaire war der Sohn eines ehemaligen österreichischen Offiziers, der mit seiner Frau nach Nebraska in Omaha ausgewandert war. Der theaterbegeisterte Vater schickte seinen Sohn und seine Tochter nach New York um tanzen zu lernen. Bereits im Alter von sieben Jahren traten die Geschwister gemeinsam auf. Ihre Karriere begann 1917 und bis zum Jahr 1931 stiegen sie rasch zu internationalen Größen im Showgeschäft auf. Als seine Schwester heiratete, zog sie sich komplett von der Bühne zurück. Fred machte weiter und ging nach Hollywood, wo er dann mit Ginger Rogers gemeinsam auftrat und schließlich Starruhm erlangte. Fred Astaire, ein Mann so elegant und erfrischend wie Champagner war der beste und bekannteste Tänzer des 20ten Jahrhunderts.

JOSEPHINE BAKER, 1906 bis 1975

Josephine Baker hatte eine schwere Kindheit. Armut, Diskriminierung und Misshandlung standen auf der Tagesordnung. Bereits im Alter von sieben Jahren war sie Hausmädchen im Dienst verschiedener reicher, weißer Familien. Mit dem Tanzen begann sie, so sagte sie einmal im Scherz, um nicht zu frieren. Bereits im Alter von dreizehn Jahren gelang ihr der große Durchbruch. Sie sprang für eine erkrankte Chorsängerin ein und stahl mit ihrer Clownerie allen anderen die Show. Anschließend tanzte sie am Broadway. Eine reiche Theateragentin entdeckte sie und schickte sie nach Paris, wo man sie dazu überredete nackt zu tanzen. Sie wurde bejubelt und bewundert und hatte zahlreiche Verehrer. Man nannte sie die „Schwarze Venus“. Eine Mischung aus Pfau und Nachtigall, so stolzierte Josephine über die Bühnen der Welt und sie war der Inbegriff der wilden 20er und 30er Jahre.

MODE

Coco Chanel, 1882 bis 1971

Coco Chanel befreite mit ihrer Mode die Frauen vom beengenden Korsett aus Walfischknochen, von ausgefallenen Hüten und bauschigen langen Röcken der frühen 20er Jahre und entwarf stattdessen Kleidungsstücke, die lässig, bequem und trotzdem chic waren. In ihren jungen Jahren trug Coco selbst gerne Männerkleidung und integrierte die Krawatten, Mäntel und Jacken ihrer zahlreichen Verehrer in ihre eigene Garderobe. Um 1914 eröffnete sie ihre eigene Boutique und in den 20er Jahren war ihr Stil voll ausgereift. Die koketten kleinen Hüte, der schlichte saloppe Anzug, der durch Perlenkette und Schmuck aufgepeppt wurde, schmalgeschnittene, Figur umspielende Abendkleider und hochhackige Riemenschuhe, und schließlich das „kleine Schwarze“. Als i-Tüpfelchen kreierte sie ihr eigenes Parfüm „Chanel No. 5.“ – übrigens auch mein absoluter Lieblingsduft. Frauen jeden Alters und aller Schichten haben ihren Look übernommen.

FILM

Greta Garbo, 1905 bis 1990

Greta Garbo war eine scheue Person, die sehr zurückgezogen lebte. Sie wuchs in Schweden auf. Im Alter von siebzehn Jahren brachte sie ihr Liebhaber, der Regisseur war, nach Hollywood. Er sah in der unscheinbaren Garbo einen schillernden Schmetterling. Ihre ersten Rollen spielte sie in Stummfilmen bei Metro-Goldwyn-Mayer. Die Kamera liebte sie aus jedem Winkel und sie projizierte eine süchtig machende Erotik. Schließlich wurde sie zum Star von MGM. Dieses Gesicht war unsagbar schön und doch erfüllt von einer unbestimmten Traurigkeit. Matt und gleichgültig und doch in der Lage, verzehrende Leidenschaft darzustellen. Kein anderes Gesicht zeigte so tiefe Gefühle mit der gleichen widersprüchlichen Mischung aus Intensität und Gelassenheit. Im Alter von 36 Jahren zog sich Greta Garbo aus dem Filmgeschäft zurück. Ihr vorzeitiger Abschied bewahrte jedoch ihre melancholische Schönheit.

KUNST

Frida Kahlo, 1907 bis 1954

Aus ihren Selbstporträts blickt die ursprüngliche, fast wilde Schönheit mit den dichten, geschwungenen Augenbrauen und den feinen Härchen über der Oberlippe den Betrachter mit versteinertem Blick an. Das vorrangige Thema ihrer Bilder war sie selbst. Frida wurde bei einem Straßenbahn Unfall im Jahre 1925 schwer verletzt. Ihre Beckenknochen waren zertrümmert, die Wirbelsäule mehrfach gebrochen, die Knochen eines Fußes völlig zerschlagen. Außerdem erlitt sie innere Verletzungen, wodurch sie keine Kinder bekommen konnte. Im Laufe ihres Lebens musste sie 35 Operationen über sich ergehen lassen. Das Leben der berühmtesten mexikanischen Künstlerin ist ihren Bildern abzulesen. Ihre Werke wurden vorrangig dem Surrealismus zugeschrieben.

Spätestens jetzt kann ich es kaum noch erwarten bei dem Speakeasy Event im Hilton Vienna Plaza eine Zeitreise zurück in Zwanziger Jahre anzutreten. Das richtige Outfit habe ich ja jetzt schon. Das Kleid „Valeska“ von Tilda Knopf findet ihr übrigens hier. Ein alltagstaugliches Outfit im Twenties Style habe ich euch außerdem in meinem letzten Beitrag schon vorgestellt.

Was meint Ihr zu diesem Thema? Welche Stars von früher haben euch auf besondere Art und Weise geprägt?

Eure Anita

Danke an Eva von Placevaventura für die goldenen Schnappschüsse im wohl schönsten Hotel Wiens.

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